Die Rheinpfalz "Ausgabe 11.01.2017"

„Haben starke Mannschaft“

Interview: Andreas Michelmann (57) ist seit September 2015 Präsident des Deutschen Handballbundes. Am Montag war er Ehrengast beim Neujahrsempfang der Pfälzer in Haßloch. Der Aufreger auch dort: die WM und das Fernsehen.

Herr Michelmann, Handball-Deutschland hadert, weil die WM in Frankreich nicht im Fernsehen zu sehen ist. Wie kam’s dazu?Im März des vergangenen Jahres am Rande des Länderspiels gegen Katar haben wir bereits darüber gesprochen. Dabei waren IHF-Präsident Hassan Moustafa, Vertreter von beIN Sport und Vertreter von ARD und ZDF. Da war ich noch guter Hoffnung, dass wir eine Lösung finden. Während der Fußball-EM in Frankreich sprachen wir in gleicher Konstellation in Paris miteinander, da wurde mir aber klar, dass hier zwei Kulturen aufeinander treffen. Danach habe ich auf Sat1, Pro7, RTL gehofft, später auf Sky. Jetzt bin ich froh, dass die WM zumindest im Internet zu sehen ist. Ich bin froh, dass es überhaupt eine Lösung gab.

Ob die Frauen-WM in Deutschland bei uns im Fernsehen zu sehen ist, ist ja auch noch unklar, oder?Genau. Mut macht mir, dass die Frauen-WM nicht so lukrativ ist – und dass das Problem die Öffentlichkeit nun mehr interessiert. Ich habe während des Besuches bei Frau Merkel darauf hingewiesen, geblieben ist für viele aber nur die Raute, die die Spieler mit ihren Fingern gebildet haben.

Die Bundesliga setzt künftig auf Sky und die ARD. Ihre Meinung?Das war eine Entscheidung der Liga. Wir waren zu jeder Zeit informiert. Anscheinend hat man bei Sport1 keine Entwicklung gesehen. Das Sky-ARD-Projekt ist unter anderem mit einem einheitlichen Spielplan verbunden. Wir sehen da Chancen für den Handball.

Zur WM: Was trauen Sie der deutschen Mannschaft in Frankreich zu?Wir haben eine starke Mannschaft. Das mit Holger Glandorf als nun auch eingespielter Reservist ist ein kluger Schachzug. Wobei ich bedauere, dass neben Steffen Weinhold auch Fabian Wiede nicht dabei ist. Er hat bei der EM und bei den Olympischen Spielen sehr gut gespielt.Stefan Kretzschmar hat kritisiert, dass der Verband nicht wirklich um Bundestrainer Dagur Sigurdsson gekämpft habe. Hat er Recht?Als die anderen Pläne von Sigurdsson im Oktober öffentlich wurden, parallel zu seiner Biografie, war uns allen schnell klar, dass er nicht zu halten sein würde. Er hat eine Lebensentscheidung getroffen, für Japan. Ich bedauere das, kann es aber nachvollziehen. Stefan Kretzschmar ist als Aufsichtsratsmitglied vom SC DHfK Leipzig natürlich daran interessiert, dass Christian Prokop seinem Klub erhalten bleibt.

Der Bundestrainer-Favorit in der Sportredaktion der RHEINPFALZ ist Michael Biegler!Michael Biegler macht einen großartigen Job bei den Frauen, diese Akribie, diese Mischung, wie er den Frauen mit Forderungen und Respekt begegnet, ist toll. Wir freuen uns wirklich über die Fortschritte. Er hat das utopische Ziel, bei der Heim-WM in Hamburg das Halbfinale zu erreichen, schnell realistisch erscheinen lassen. Wir wollen alles dafür tun, dass es auch so bleibt.

Nachhaltigkeit war das große Thema nach dem WM-Titel 2007. Das hat nicht ganz geklappt. Welche Fehler von damals können Sie vermeiden?Damals hat man vielleicht ein bisschen zu lange gefeiert. Den Effekt von der EM in Polen werden wir erst in zwei, drei Jahren sehen. Der Vorteil jetzt ist, dass wir Strukturen haben, die schon greifen – wie die Kooperation mit der AOK.

Als Sie DHB-Präsident wurden, gab es auch kritische Stimmen. Tenor: Wie kann das funktionieren, Oberbürgermeister der Stadt Aschersleben sein – und zudem Sportfunktionär ...Ich werde von beiden Seiten kritisch beäugt – von den politischen Gegnern und auch vom Sport. Es funktioniert deshalb, weil ich als OB ein eingespieltes Team habe. Und es funktioniert beim Handball, weil wir mit Mark Schober einen Generalsekretär haben, der sich um das operative Geschäft kümmert. Interview: Udo Schöpfer


 

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