Die Rheinpfalz "Ausgabe 11.01.2017"

Der Traum lebt

Pfalz-sportler der Woche: Am Mittwoch leiteten die Südpfälzer Thorsten Kuschel und Thomas Kern ihr 300. Spiel auf der Ebene des Deutschen Handball-Bundes.

Von Jochen Willner
 

BELLHEIM. Seit über elf Jahren sind sie bundesweit als Schiedsrichter des Deutschen Handball-Bundes (DHB) unterwegs. Thorsten Kuschel (Hagenbach) und Thomas Kern (Bellheim) standen am Mittwoch bei der Frauen-Bundesliga-Partie TuS Metzingen gegen die Neckarsulmer SU zum 300. Mal auf DHB-Ebene auf dem Parkett. Am Ende erhoben sich die Fans der Pinkladies von ihren Plätzen: TuS Metzingen sicherte sich mit einem 37:30 gegen den Aufsteiger aus Neckarsulm zwei wichtige Zähler und bleibt im Meisterschaftsrennen der SG BBM Bietigheim auf den Fersen. Im Jubel ging im voll besetzten Sportzentrum Öscht das kleine Jubiläum der beiden Schiris unter. „Die Vereine wussten das nicht, das ist eine Sache, die intern bei den Schiedsrichtern gefeiert wird“, erklärt Kuschel.

Dennoch hatten sie an diesem Abend wieder einmal viel Spaß an der Pfeife. „Es war echt toller Handball mit einer tollen Atmosphäre“, berichtet Kuschel. „Dazu noch ein äußerst faire Partie mit nur zwei Zeitstrafen“, ergänzt Kern. „So hatten wir bei unserem 300. Spiel einen äußerst angenehmen Abend“, meint Kuschel.

Ansonsten war es für die beiden Südpfälzer eine Partie wie jede andere. „Da wir ja bekanntlich am nächsten Tag arbeiten mussten, feiern wir unser kleines Jubiläum nach“, meint Kuschel. Sie haben ein Ritual, halten auf Anreisen zu ihren Einsätzen einmal zum Kaffeetrinken an. Knapp zwei Stunden vor dem Anpfiff tauschen sie sich nochmals in aller Ruhe intensiv aus. Die Anfahrt kommt einer Dienstbesprechung gleich. „Wir gehen jedes Spiel mit der gleichen Vorbereitung und Ernsthaftigkeit an“, betont Kuschel. Man tauscht sich über Fakten, wie die Tabellensituation der beiden Mannschaften, deren Angriff- und Abwehrsysteme, aber auch über die jeweiligen Trainer aus. Tabu ist dagegen eine vorherige Videoanalyse der beiden Mannschaften. „Damit wollen wir jeglicher Voreingenommenheit aus dem Weg gehen“, erklärt Kuschel. „Jedes Spiel ist ein neues Spiel, jedes Spiel ist anders“, ergänzt Kern. „Wichtig ist, dass wir hochkonzentriert in das Spiel gehen und eine möglichst konstante und fehlerfreie Leistung abrufen“, betont Kuschel.

Inzwischen sind sie derart routiniert, dass sie gelernt haben, in jeder Situation die Oberhand zu behalten. Nervös? „Nein, im Gegenteil. Wir können auf eine lange Erfahrung zurückblicken, das gibt uns Sicherheit“, meint Kuschel. Und sie sind noch lange nicht am Ende ihrer Schiedsrichter-Laufbahn. Kuschel, der 32 Jahre alte Pädagoge am Europa-Gymnasium in Wörth, sagt aber auch; „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit 50 noch pfeifen werde.“ Kern, ein Jahr älter, ist inzwischen Vater von zwei Kindern. Er arbeitet als Elektroingenieur bei Siemens in Rastatt. Die Schiedsrichterei ist für ihn der Ausgleich zur Familie und Beruf. Dennoch haben die beiden jungen Männern noch einen Traum: Der Aufstieg in die Bundesliga der Männer, die beste Liga der Welt, ist der ganz große Wunsch von Thorsten Kuschel und Thomas Kern.

 

 

 


 

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