Die Rheinpfalz "Ausgabe 25.02.2017"

Kampf der Verbände um Systeme

HINTERGRUND: Weshalb die Handball-Oberliga im Datennetz noch eine Wüste ist

HASSLOCH. „Upcoming“: die nächsten Spiele der Handball-Pfalzliga. Jedermann kann im Netz einsehen, wie seine Mannschaft gespielt, wer die Tore geworfen hat, wann die Tore fielen. Mancher Verein schaltet gar den „Liveticker“. Eine Wüste sind in dieser Saison jedoch die Oberligaspiele. Infos darüber? Keine. 2017/18 soll sich das ändern im intergalaktischen Kampf der Verbände und Systeme.

Es geht um „sis“, das Gatecom-System, das die Pfälzer, das der DHB verwenden. Um „Siebenmeter“, das Programm der Handball4all-AG, die sieben Handballverbände, überwiegend baden-württembergische, 2012 gründeten. Und um „NuLiga“, das es seit Kurzem auch für den Handball gibt. Ein anderer „Player“ ist „Sportradar“, mit ihm wird die Handball-Bundesliga (HBL) zusammenarbeiten. Zwei heben die Hand für „Siebenmeter“, der Pfälzer Handball-Verband (PfHV) steht auf „sis“, Rheinland ist für „NuLiga“. So ging die Abstimmung im Präsidium der Handball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar aus. Immerhin hat man sich vor Kurzem demokratisch geeinigt. „Siebenmeter“ wird den elektronischen Spielberichtsbogen für die Oberligaspiele ins Netz bringen. Die Vereine in den pfälzischen Ligen haben parallel „sis“ zu installieren. „Meine Hoffnung ist, der DHB wird für alle ein System finden, das scheint aber unmöglich zu sein“, meint Josef Lerch, der Spieltechnik-Chef im PfHV.

Die digitalisierte Welt wird alles überholen. Streaming-Dienste für Live-Bilder im Netz sind der nächste Renner. Zuschaltbar alle erdenklichen Statistiken. Wie gemütlich doch alles angefangen hatte in den 1980-Jahren.

Da saß Ewald Brenner in Heuchelheim vor seinem Commodore 64, dem Acht-Bit-Heimcomputer mit 64 Kilobyte Arbeitsspeicher. Zuerst ging es um Dateien für Schiedsrichter. 1983 wurden die ersten Spielpläne am Rechner erstellt und an die Vereine verschickt.

Zum Millennium löste der Niedersachse Jochen Engelmann ein Problem: Viele Programme verwendeten einen zweistelligen Jahrescode und waren nicht fit für das Jahr 2000. Er entwickelte ein neues Programm, „sis“ lief erstmals im Bezirk Weser-Ems. 2002 erwarb der PfHV eine Lizenz. Es wurde offizielles Programm des Verbandes mit Spielplanerstellung, Schiedsrichterwesen und bald auch Passwesen.

Ständig kamen Brenner und seinem Funktionärskollegen Norbert Diemer aus dem benachbarten Lambsheim Ideen, wie „sis“ noch besser werden könnte. Die Kontakte mit Engelmann begründen, weshalb sie dieses System bevorzugen.

In der Mache: eine einheitliche Passdatenbank. Daten mit Unterschrift und Passbild eingeben, und das System druckt einen vorläufigen Spielerpass für das in zwei Stunden beginnende Spiel aus.

Die „sis“-Konkurrenz hat einen Preiskampf entfacht. Brenner hält „sis“ für das beste Spielplanprogramm. „Siebenmeter“ kommt mit einem Verwaltungssystem daher, mit „Phönix“. Sein Verband wird es verwenden. Es wird daran gedacht, dieses System mit „sis“ zu verbinden. „Das ideale System werde ich nicht mehr erleben“, meint Brenner. thc


 

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