Günter Flohn

Chronik des Pfälzer Handballs endlich fertiggestellt
November 2007. Oftmals habe ich in den letzten Jahren die Vereine gebeten, mir bei der Beschaffung von Festschriften und Bildern behilflich zu sein, endlich kann ich nach fast zehn Jahren Arbeit jetzt sagen: "Die Chronik ist fertiggestellt und druckreif bearbeitet". Vom Beginn des Handballs in den 20er Jahren bis zum Jahr 2000 ist in den einzelnen Kapiteln die Geschichte unseres Sports in der Pfalz mit sicherlich vielen Einzelheiten und Bildern zusammengefasst.

An der Chronik interessiert?
Autor und Präsidium des Pfälzer Handball-Verbandes werden in nächster Zukunft über die Erscheinungsweise dieser Chronik beraten. Über möglichst viele Rückantworten und Anregungen würde ich mich persönlich sehr freuen. Sie können mich unter der Tel. Nr. 06359 - 4862 von morgens bis in den späten Abend erreichen oder Ihre Antwort per E-Mail unter der Adresse übermitteln.

Download: Leseprobe Chronik des Pfälzer Handballs (464 KB)

 

Handball in der Pfalz vor 1945

Die 20er: Viele Verbände, wenig Überblick
Als nach Kriegsende des 1. Weltkrieges 1918 in den Pfälzer Turn- und Sportvereinen wieder reges Leben einkehrte, zog auch eine neue Sportart ein - der Handball. Erste Handballhochburg in der Pfalz war der Raum Ludwigshafen. Als 1920 der FC "Pfalz" Ludwigshafen, der FC 03 Ludwigahafen und der TV Friesenheim in einer selbstorganisierten Spielrunde Handball spielten, war dies die Geburtsstunde des Handballs in der Pfalz.

Leider konnten sich die Deutschen Sportverbände nicht auf eine gemeinsame Spielrunde einigen und so spielten die Sportvereine (SV) die Fußballvereine (FC) und die Polizeisportvereine (PSV) in der "Deutschen Sportbehörde" (DSB), die Turnvereine (TV) im "Deutschen Turnerbund" (DT), die Freien- und Arbeiter Turnvereine (ATSV) im "Arbeiter Turn- und Sportbund" (ATSB). Kirchliche Sportbünde gab es katholisch die "Deutsche Jugendkraft" (DJK) und evangelisch das "Eichenkreuz" (EK).

Die 30er: Neustrukturierung: nur noch eine Handballorganisation
Wie ein Flächenbrand überzog die Handballidee die Pfalz. Handballmannschaften schossen wie Pilze aus dem Boden und die Sportbünde waren kaum noch in der Lage, mit neuen Staffeln den Spielbetrieb richtig zu organisieren. So spielten 1931 in der Pfalz beim Deutschen Turnerbund bereits 143 Vereine mit 349 aktiven Mannschaften Handball. Als 1934 im Reichsbund für Leibeserziehungen (DRfL) mit der Fachschaft 4 (Handball) allen Verbänden die Verantwortung für den Handballbetrieb aus den Händen genommen wurde, gab es endlich nur noch eine Handballorganisation. Unter der Leitung von Brigadeführer Richard Herrmann waren in Deutschland über 300.000 Handballspieler zusammengefasst.

Die 40er: schwere Verluste durch 2. Weltkrieg
Der 2. Weltkrieg brachte dem Handball schwere Verluste. Immer weniger Vereine waren noch in der Lage, eine Mannschaft zu melden. Im Jahr 1944 endet somit mit einem Paukenschlag der Handballspielbetrieb in der Pfalz. VfL Haßloch verliert in der Runde der letzten Vier in Hamburg gegen den Luftwaffensportverein Hamburg und scheidet aus. Der 3. Platz wird dann nicht mehr ausgespielt.

Hallenhandball vor 1945: ein gescheiterter Versuch
Auch Hallenhandball war vor 1945 bereits in der Pfalz bekannt. Das erste pfälzische Hallenhandballturnier fand am 14. Februar 1937 in der großen Halle des Hindenburgparkes in Ludwigshafen statt. Über das Versuchsstadium kam der Hallenhandball aber nicht hinaus.

Handball in der Pfalz ab 1946 / Der PfHV

Die 40er: Gründung des PfHV mit 8 Kreisen
Mit der Gründung des Pfälzer Handball-Verbandes am 23. Juli 1949 kehrten wieder geordnete Verhältnisse in den Pfälzer Handball ein. Zuvor regelte eine "Fachschaft Handball" den Spielbetrieb, der ab 1946 wieder lief. Schon ein Jahr nach der Gründung reduzierte man die Kreiseinteilung von acht auf drei Großkreise, die dann bis 1993 den Spielbetrieb von der Bezirksliga abwärts und den gesamten Jugendhandball in eigener Regie regelten. Drei Kreise - jeder mit besonderen Eigenheiten, Problemen und besonderer Struktur.

Die 50er & 60er: Die Zeit der Hallenneubauten
Mit dem Bau einer eigenen Großsporthalle 1951 leitete der Pfälzer Handball-Verband schon früh die Entwicklung zum Hallenhandball ein. Nach und nach platzte die Halle aus allen Nähten, selbst wochentags und bis spät in die Nacht wurden Meisterschaftsspiele, oft in Turnierform, ausgetragen. Erst zu Beginn der 60er Jahre wurden durch Hallenneubauten die Spielbedingungen immer besser. Das Sportförderungsgesetz von 1974 gewährte den Vereinen kostenlose Nutzung von kommunalen Sporthallen und trug wesentlich zur Weiterentwicklung des Handballs bei.

sportliche Höhepunkte der 50er bis 70er: Ende der "Ära Großfeld"
Erster sportlicher Höhepunkt war der Gewinn des "Deutschen Länderpokals für Junioren" im Jahr 1955. Maßgeblichen Anteil daran hatte der damals als Sportlehrer für den Pfälzer Handball-Verband wirkende Siegfried Perrey. Als 1965 die Bundesliga eingeführt wurde, war überraschend nicht die TSG Haßloch, sondern der TV Hochdorf in die höchste Spielklasse im Feld- und Hallenhandball aufgestiegen. Bereits 1967 erreichte der TV Hochdorf das Endspiel zur Deutschen Hallenmeisterschaft und verlor gegen den VfL Gummersbach. Im Großfeld wurde man 1970 durch GW Dankersen geschlagen und 1972 zog man im Pokalendspiel gegen die TS Steinheim den Kürzeren. Mit der Erringung des letzten Deutschen Titels auf Großfeld 1975 geht allerdings die TSG Haßloch in die Geschichte des Deutschen Handballs ein. 1980 endet der Großfeldhandball auch in der Pfalz mit dem letzten Pfalzmeister, dem TV Schifferstadt.

Die 80er & 90er: Entwicklung der Mannschaftszahlen
Bis in die Jahre 1980-1984 entwickelte sich der Hallenhandball stetig nach oben. Erste Spielgemeinschaften entstanden dort, wo vor allem ein Rückgang im Jugendhandball zu verzeichnen war. Zum Ende der 80er Jahre beginnt der Rückgang im aktiven Bereich. Waren es 1988 noch 205 Männermannschaften und 86 Frauenmannschaften, so sind es 1999 noch 127 Männermannschaften und 71 Frauenmannschaften. Im Jugendbereich blieben die Mannschaftsmeldungen relativ konstant, wobei zu erkennen war, dass der Rückgang in den älteren Jugendklassen durch verstärkten Zuspruch in den jüngeren Jugendklassen wieder ausgeglichen wurde. 1998 spielten in der Pfalz 289 männliche Jugendmannschaften, im weiblichen Bereich waren es 118 Mannschaften.

Das Jahr 2000: Kleinfeldturniere verdrängen Sommerrunde
Das Verlegen des Spielbetriebs im Sommerhalbjahr auf Kleinfeldhandball hatte nur über eine kurze Zeit Erfolg. Zwar spielten 1975 185 Herren- und 77 Frauenmannschaften auf Kleinfeld, aber immer schneller ging die Talfahrt voran. Kleinfeldturniere ersetzten teilweise den regulären Spielbetrieb. Ab 1993 gibt es dann keinen Sommerhandball mehr im aktiven Bereich. Bei der Jugend ist die Talfahrt nicht ganz so rasant. Erst zum Ende der 80er Jahre gehen auch hier die Mannschaftsmeldungen zurück. Ab dem Jahr 2000 wird dann in der Pfalz kein Sommerhandball mehr gespielt.
Quelle: Flohn, Günter (2007): Volkssport Handball - Chronik des Pfälzer Handballs (Druck in Planung)

Die Jahre 2004-2007:
Neue Wettkampfstruktur im Kinder- & Jugendhandball
Die DHB-Rahmentrainingskonzeption gibt schon seit Jahren die Marschrichtung für engagierte Jugendtrainer vor. In ihr werden Trainingsinhalte jugendgemäß zusammengestellt und aufbereitet. Im Jahr 2004 hat der DHB in Anlehnung an diese bisherige Empfehlung eine verbindliche, einheitliche Wettkampfstruktur für den Kinder und Jugendhandball eingeführt. Mannschaften bis inkl. der E-Jugend müssen in Wettkämpfen Manndeckung spielen, in der D-Jugend müssen verbindlich mind. drei Spieler vor der 9m-Linie decken. Somit vermeidet der DHB defensive Abwehrformationen, welche für die Handballausbildung von Kindern große Nachteile haben. 2006 geht der PfHV noch einen Schritt weiter: Er führt ein verbindliches Konzept für die Spielfeste im Mini-, F- und E-Jugend bereich ein, welches ab 2007 leicht verändert weitergeführt wurde.

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